Wertschere: was die Effizienzklasse am Preis ausmacht
Schlagzeilen nennen bis zu 51 Prozent Abschlag. Rechnerisch bereinigt bleiben 7 bis 17 Prozent — der Unterschied liegt allein an der Methode.

Zwei große Immobilienportale haben ihre Angebotsdaten nach Effizienzklassen ausgewertet, und beide kommen zu demselben Bild: Die Schere zwischen effizienten und ineffizienten Wohnimmobilien geht auf. Über die Größe des Effekts sagen sie allerdings sehr Verschiedenes — je nachdem, ob sie rechnerisch bereinigt wurde oder nicht.
ImmoScout24 hat den Zeitraum vom ersten Quartal 2021 bis zum vierten Quartal 2025 betrachtet: Eigentumswohnungen der Klasse A gewannen in diesen fünf Jahren rund 13 Prozent an Wert, die Klassen G und H verloren jeweils rund 12 Prozent. Zwischen dem oberen und dem unteren Ende liegen damit 25 Prozentpunkte.
Immowelt hat die 2024 inserierten Objekte hedonisch bereinigt — also den Einfluss von Lage, Größe und Baujahr herausgerechnet — und die Klasse D als Referenz gesetzt.
| Klasse | Einfamilienhäuser | Eigentumswohnungen |
|---|---|---|
| A+ | +16 Prozent | +23 Prozent |
| A | nicht ausgewiesen | +23 Prozent |
| D (Referenz) | ±0 | ±0 |
| H | −14 Prozent | −4 Prozent |
Bemerkenswert ist die letzte Zeile: Bei Wohnungen schlägt eine schlechte Klasse deutlich weniger durch als bei Häusern. Immowelt-Geschäftsführer Piet Derriks ordnet die Entwicklung so ein, dass der energetische Zustand „aus Käufersicht immer wichtiger“ werde.
Eine Zusammenschau mehrerer Studien kommt für Einfamilienhäuser auf denselben Korridor.
Bis zu 51 Prozent ist keine vergleichbare Zahl. Unbereinigte Schlagzeilenwerte vergleichen das, was tatsächlich am Markt steht: ein unsaniertes Haus von 1960 in schwacher Lage gegen einen Neubau in guter. Der Abstand misst dann Lage, Baujahr, Grundriss und Zustand mit — nicht die Effizienzklasse. Wer mit einer solchen Zahl in eine Preisverhandlung geht, argumentiert mit dem falschen Wert.
Was daraus folgt
Der belastbare Korridor liegt bei rund 7 bis 17 Prozent, je nach Gebäudeart und Klasse. Das ist weniger dramatisch als die Schlagzeilen, aber immer noch ein Betrag, der bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus fünfstellig wird.
Wie groß der Anteil schlechter Klassen im Bestand ist, zeigt dieselbe Immowelt-Auswertung: 36,8 Prozent der 2024 inserierten Wohnimmobilien lagen schlechter als E — 2020 waren es 28 Prozent. Bei freistehenden Häusern sind es 51,9 Prozent, im Landkreis Holzminden 79,5 Prozent.
Für Verkäufer heißt das nicht automatisch „vorher sanieren“. Der Beitrag Sanierungsbedürftiges Haus verkaufen rechnet durch, wann sich das lohnt und wann der Abschlag günstiger ist als die Maßnahme. Welche Pflichten beim Verkauf ohnehin gelten, steht in Energieausweis beim Hausverkauf.
Energieausweis ab 69,90 € online erstellen
Bedarfs- und Verbrauchsausweis online erstellen — der Link öffnet sich in einem neuen Tab.
Rechtsstand: Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung.