Wer stellt den Energieausweis aus? § 88 GModG erklärt
Vier Berufsgruppen nach § 88 GModG, dazu der BAFA-Weg seit 2024. Ein amtliches Prüfregister gibt es nicht — so prüfen Sie die Berechtigung selbst.

Kurz gesagt
Ausstellen darf nur, wer eine der Qualifikationen aus § 88 GModG (vormals § 88 GEG) erfüllt: ein Hochschulabschluss in einer bau- oder energienahen Fachrichtung, ein Meisterbrief oder Handwerksrolle-Eintrag in einem Bau-, Ausbau- oder anlagentechnischen Gewerk, ein Techniker-Abschluss oder eine landesrechtliche Nachweisberechtigung, jeweils mit einer von drei Zusatzqualifikationen, oder eine bestandene BAFA-Qualifikationsprüfung Energieberatung. Ein amtliches Prüfregister gibt es nicht.
Die vier Berufsgruppen nach § 88 Abs. 1 GModG
§ 88 Abs. 1 nennt vier Personenkreise, denen die Ausstellung grundsätzlich offensteht. Die Vorschrift heißt seit dem 29. Juli 2026 § 88 GModG: Aus dem Gebäudeenergiegesetz ist das Gebäudemodernisierungsgesetz geworden, verkündet im BGBl. 2026 I Nr. 226 vom 28.07.2026. Nummer und amtliche Überschrift „Ausstellungsberechtigung für Energieausweise“ sind über die Umbenennung hinweg erhalten geblieben – wer nach „§ 88 GModG“ sucht, findet dieselbe Norm.
| Nr. | Gruppe | Kernanforderung |
|---|---|---|
| 1 | Landesrechtlich Nachweisberechtigte | Nach bauordnungsrechtlichen Vorschriften der Länder zur Unterzeichnung bautechnischer Nachweise des Wärmeschutzes oder der Energieeinsparung berechtigt |
| 2 | Hochschulabsolventen | Abschluss in Architektur, Innenarchitektur, Hochbau, Bauingenieurwesen, Technischer Gebäudeausrüstung, Physik, Bauphysik, Maschinenbau, Elektrotechnik oder verwandter Fachrichtung |
| 3 | Handwerk | Meisterprüfung oder Eintrag in die Handwerksrolle in einem Bau-, Ausbau- oder anlagentechnischen Gewerk, einschließlich Schornsteinfegerhandwerk |
| 4 | Techniker | Staatlich anerkannter oder geprüfter Techniker mit Schwerpunkt Gebäudehülle, Heizungs-/Warmwassertechnik oder Lüftungs-/Klimatechnik |
Richtig ist
Das lässt Handwerksmeister, Techniker und landesrechtlich Nachweisberechtigte unter den Tisch fallen – und übergeht den fünften, vom Grundberuf unabhängigen Weg über die BAFA-Prüfung.
Die Zusatzqualifikation nach § 88 Abs. 2: drei Wege, aber nur für drei Gruppen
Für die Gruppen 2 bis 4 reicht der Grundberuf allein nicht. § 88 Abs. 2 verlangt zusätzlich eine von drei gleichwertigen Voraussetzungen: einen Ausbildungsschwerpunkt im energiesparenden Bauen während des Studiums oder ersatzweise mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung, eine erfolgreiche Schulung nach Anlage 11, oder eine öffentliche Bestellung als vereidigter Sachverständiger für ein einschlägiges Sachgebiet.
Sind Sie nach Landesrecht zur Unterzeichnung bautechnischer Nachweise berechtigt (Gruppe 1)?
JaFertig. Abs. 2 gilt für Gruppe 1 überhaupt nicht — es braucht keine der drei Zusatzqualifikationen.
NeinWeiter: Gehören Sie zu Gruppe 2, 3 oder 4?
Gruppe 2 bis 4: Erfüllen Sie EINE der drei Voraussetzungen nach Abs. 2?
Weg 1Ausbildungsschwerpunkt im energiesparenden Bauen während des Studiums oder ersatzweise mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung.
Weg 2Erfolgreiche Schulung nach Anlage 11.
Weg 3Öffentliche Bestellung als vereidigter Sachverständiger für ein einschlägiges Sachgebiet.
WichtigDie drei Wege sind durch „oder“ verbunden, es genügt einer — nicht, wie mancherorts behauptet, eine verpflichtende Schulung zusätzlich zu zwei Jahren Berufserfahrung.
Keiner der Wege trifft zu — gibt es noch einen?
JaJa: die BAFA-Qualifikationsprüfung Energieberatung nach § 88 Abs. 5, „abweichend von Absatz 1“. Sie braucht keinen bestimmten Grundberuf.
NeinOhne eine dieser Grundlagen darf die Person keinen Energieausweis ausstellen.
Der fünfte Weg: BAFA-Qualifikationsprüfung Energieberatung (§ 88 Abs. 5)
Seit dem 1. Januar 2024 gibt es einen eigenständigen fünften Zugang, eingefügt durch das Gesetz vom 16.10.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 280). Wer die Qualifikationsprüfung Energieberatung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erfolgreich abschließt, darf ausstellen – „abweichend von Absatz 1“, wie es im Gesetz heißt. Ein bestimmter Grundberuf ist auf diesem Weg keine Voraussetzung, die Prüfung selbst trägt die Qualifikation.
Wohn- oder Nichtwohngebäude: Die Berechtigung kann sich unterscheiden
Wurde die Schulung nach Abs. 2 Nr. 2 oder die BAFA-Prüfung nach Abs. 5 inhaltlich auf Wohngebäude beschränkt, darf die Person nach § 88 Abs. 3 auch nur Energieausweise für Wohngebäude ausstellen. Anlage 11 gliedert die Schulungsinhalte entsprechend: Nr. 2 deckt Wohngebäude ab, Nr. 3 dieselben Inhalte plus nichtwohngebäudespezifische Zusatzstoffe wie raumlufttechnische Anlagen und Beleuchtung. Der umgekehrte Fall ist im Gesetz nicht angelegt – eine reine Wohngebäude-Berechtigung deckt niemals automatisch Nichtwohngebäude mit ab.
Wer einen Aussteller für ein Bürogebäude, eine Lagerhalle oder ein gemischt genutztes Gebäude beauftragt, sollte deshalb gezielt nachfragen, ob die Schulung Nichtwohngebäude einschließt.
Bedarfs- oder Verbrauchsausweis: für die Berechtigung ohne Bedeutung
Anders als bei der Gebäudeart macht das Gesetz bei der Ausweisart keinen Unterschied. Weder § 88 noch Anlage 11 differenzieren zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis. Wer also für Wohngebäude berechtigt ist, darf dort sowohl Bedarfs- als auch Verbrauchsausweise ausstellen.
Die Ausstellungsberechtigung knüpft an die Gebäudekategorie an, nicht daran, welche Ausweisart am Ende ausgestellt wird.
Wenn die Berechtigung aus einer alten Übergangsregel stammt
Nicht in der Expertenliste heißt nicht unberechtigt
Wer seine Qualifikation vor dem 25. April 2007 erworben hat, kann über die Übergangsvorschrift § 113 ausstellungsberechtigt sein – etwa als beim BAFA registrierter Antragsberechtigter, über eine Ausbildung im Baustoff-Fachhandel mit Weiterbildung zum Energiefachberater oder über die Fortbildung Energieberatung im Handwerk nach § 42a der Handwerksordnung. Diese Personen dürfen Energieausweise ausstellen, tauchen aber nicht zwangsläufig in der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes auf: Eine allein auf § 113 gestützte Berechtigung ist dort von der Eintragung ausgeschlossen. Für den Energieausweis ändert das nichts – erst wer zusätzlich eine Förderung beantragen will, braucht eine Person aus der Liste.
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So prüfen Sie, ob ein Aussteller berechtigt ist
Es gibt kein amtliches Prüfregister
Die Berechtigung entsteht kraft Gesetzes, nicht durch eine Eintragung. Keine der unten genannten Listen ist ein amtliches Register mit rechtlicher Bindungswirkung — jede prüft etwas anderes oder nichts. Wer sichergehen will, fragt vor der Beauftragung selbst nach.
Sechs Fragen an den Aussteller
Gibt es ein öffentliches Register?
Nein. Das Bundesportal gmodg.bund.de stellt ausdrücklich fest: „Für die Ausstellungsbefugnis … ist keine gesonderte Prüfung oder Zertifizierung (durch eine Behörde oder Dritte) vorgeschrieben.“ Kammern, Berufsverbände und die dena bieten zwar Ausstellerlisten im Internet an – das sind private beziehungsweise verbandliche Verzeichnisse, keine amtlichen Register mit rechtlicher Bindungswirkung.
Was die DIBt-Registriernummer beweist – und was nicht
Jeder registrierte Energieausweis trägt eine Registriernummer des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) nach § 98 GModG. Diese Nummer belegt aber nur, dass der Ausweis registriert wurde, nicht, dass der Aussteller tatsächlich berechtigt ist: Das DIBt prüft bei der Anmeldung nicht, ob die anmeldende Person ausstellungsberechtigt ist, die Anmeldung erfolgt „auf eigene Verantwortung“. Wörtlich erklärt das DIBt auf seiner eigenen Seite: „Eine Verifizierung von Energieausweisen können wir nicht vornehmen.“
Richtig ist
Ein öffentliches Nachschlagen fremder Registriernummern ist nicht vorgesehen: Das DIBt führt kein einsehbares Verzeichnis und nimmt nach eigener Auskunft keine Verifizierung von Energieausweisen vor.
Die Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes (freiwillig)
Die von der dena betriebene Energieeffizienz-Expertenliste ist eine freiwillige Liste, keine gesetzliche Pflicht für den Energieausweis. Sie ist vor allem Fördervoraussetzung: Ohne Eintrag ist der Zugang zu bestimmten Bundesförderungen nicht möglich. Seit dem 16.06.2026 ist ein Identifikationsverfahren für neue Eintragungen verpflichtend, und wer gelistet bleiben will, muss regelmäßig Fortbildung nachweisen.
24 Unterrichtseinheiten
Fortbildung
Regelwerk der Energieeffizienz-Expertenliste (dena)
3 Jahre
Nachweiszeitraum
Regelwerk der Energieeffizienz-Expertenliste (dena)
Nicht geklärt
Wer über die BAFA-Prüfung nach § 88 Abs. 5 ausstellungsberechtigt ist, darf Energieausweise ausstellen. Ob dieser Weg auch für einen Eintrag in die Energieeffizienz-Expertenliste genügt, ist offen: Deren Regelwerk nennt bislang nur § 88 Abs. 1 Nr. 1 bis 4. Für Sie heißt das: Ein fehlender Eintrag belegt keine fehlende Berechtigung. Fragen Sie im Zweifel nach, auf welche Grundlage des § 88 die Person sich stützt.
Kammerverzeichnisse und Handwerksrolle
Architekten- und Ingenieurkammern führen Mitgliederlisten, die Kammermitgliedschaft und häufig auch die landesrechtliche Nachweisberechtigung nach § 88 Abs. 1 Nr. 1 belegen. Diese Berechtigung wird landesrechtlich konkretisiert und ist deshalb in den 16 Bundesländern nicht einheitlich – die Bayerische Architektenkammer verweist für Details zusätzlich auf die bayerische Ausführungsverordnung Energieeinsparung (AVEn). Wer sich auf Gruppe 1 stützt oder sie prüfen will, muss deshalb ins Landesrecht des jeweiligen Bundeslandes sehen.
Was droht bei Ausstellung durch Nichtberechtigte
Wer ohne die Berechtigung nach § 88 Abs. 1 einen Energieausweis ausstellt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Adressat ist der Aussteller, nicht der Eigentümer, der ihn beauftragt hat.
bis zu 10.000 €
Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen die Ausweispflichten
Ein Höchstrahmen, kein Regelbetrag — was tatsächlich verhängt wird, hängt vom Einzelfall ab.
§ 108 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 GModG
Welche Tatbestände § 108 daneben kennt – Vorlage, Übergabe, Pflichtangaben im Inserat –, steht unter Bußgeld bei Verstößen.
Nicht geklärt
Was ein von einem Nichtberechtigten ausgestellter Ausweis zivilrechtlich wert ist, ist nicht geklärt: Ob er unwirksam ist oder ob Käufer und Mieter daraus Rechte herleiten können, entscheidet sich im Einzelfall. Praktisch heißt das: Die Berechtigung gehört vor die Beauftragung geprüft, nicht danach – über die sechs Fragen oben und, wo es um Gruppe 1 geht, über das Verzeichnis der zuständigen Kammer.
Neben dem Bußgeld steht das Wettbewerbsrecht. Der Bundesgerichtshof hat für die Pflichtangaben in Immobilienanzeigen entschieden, dass die Haftung auch den treffen kann, den die Vorschrift nicht ausdrücklich nannte:
Bundesgerichtshof
Ein Immobilienmakler haftet selbst für energieausweisbezogene Pflichtangaben in Anzeigen, obwohl die damalige Energieeinsparverordnung ihn nicht ausdrücklich adressierte – Grundlage ist § 5a UWG. Heute nennt § 87 Abs. 1 GModG den Makler selbst.
Ändert sich die Berechtigung zum 1. Januar 2027?
Nicht geklärt
Der Energieausweis-Teil des GModG tritt zum 01.01.2027 in Kraft. Ob § 88 dabei angefasst wird, ist offen – bis dahin gilt der oben beschriebene Wortlaut unverändert. Wer nach dem Jahreswechsel ausstellt oder einen Aussteller beauftragt, sieht deshalb noch einmal in den dann amtlichen Text des § 88.
Häufige Fragen
Wer darf einen Energieausweis ausstellen?
Nur Personen, die § 88 GModG erfüllen: landesrechtlich Nachweisberechtigte, Absolventen bestimmter Studienfächer, Handwerksmeister oder in die Handwerksrolle Eingetragene, staatlich anerkannte oder geprüfte Techniker, jeweils mit einer Zusatzqualifikation, sowie Personen mit bestandener BAFA-Qualifikationsprüfung Energieberatung.
Darf ein Handwerksmeister einen Energieausweis ausstellen?
Ja, wenn er in einem Bau-, Ausbau- oder anlagentechnischen Gewerk oder im Schornsteinfegerhandwerk die Meisterprüfung abgelegt hat oder in die Handwerksrolle eingetragen ist, und zusätzlich eine der drei Voraussetzungen aus § 88 Abs. 2 erfüllt.
Gibt es ein offizielles Register der Aussteller?
Nein. Für die Ausstellungsbefugnis ist keine gesonderte Prüfung oder Zertifizierung durch eine Behörde oder Dritte vorgeschrieben; Listen von Kammern, Verbänden und der dena sind private Verzeichnisse ohne amtlichen Charakter.
Kann ich die Registriernummer beim DIBt überprüfen?
Nein. Das DIBt führt kein öffentliches Register und nimmt keine Verifizierung von Energieausweisen vor. Es prüft bei der Registrierung auch nicht, ob der Aussteller berechtigt ist.
Ist die Eintragung in die Energieeffizienz-Expertenliste Pflicht?
Nein, sie ist freiwillig. Voraussetzung ist sie nur für den Zugang zu bestimmten Bundesförderungen, nicht für die Ausstellung eines Energieausweises.
Darf jeder Aussteller auch Nichtwohngebäude ausstellen?
Nein. War die Schulung nach § 88 Abs. 2 Nr. 2 oder die BAFA-Prüfung nach Abs. 5 auf Wohngebäude beschränkt, darf die Person ausschließlich Wohngebäude-Ausweise ausstellen.
Was passiert, wenn ein Nichtberechtigter ausstellt?
Das ist eine Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro. Welche zivilrechtlichen Folgen ein solcher Ausweis für Käufer oder Mieter hat, ist gerichtlich nicht geklärt.
Quellen (12)
- Ausstellungsberechtigte — Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / gmodg.bund.de (Bundesportal)
- § 88 GModG – Ausstellungsberechtigung für Energieausweise — gesetze.legal
- § 88 GModG — NWB Verlag (Gesetzesdatenbank)
- FAQ GEG-Registrierstelle (PDF) — Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt)
- Energieausweise / Klimainspektionsberichte — Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt)
- Wer darf Energieausweis ausstellen? § 88 GEG 2026 (Blogbeitrag mit widerlegter Aussage zur DIBt-Prüfbarkeit) — rechtssicherer-energieausweis.de
- Qualifizierte Unterstützung bei Energieberatung, Neubau- und Sanierungsprojekten – die Energieeffizienz-Expertenliste — Deutsche Energie-Agentur (dena)
- Weitere Informationen für Experten — Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes (Betreiber im Bundesauftrag)
- Energieausweis (Verweis auf Landesrecht/AVEn) — Bayerische Architektenkammer
- § 108 GModG – Bußgeldvorschriften — lxgesetze.de
- BGH, Urteil vom 05.10.2017 – I ZR 232/16 (Makler haftet selbst für Angaben im Energieausweis) — Kanzlei-Aufbereitung (Werberecht)
- Energieausweise im GModG: Was sich 2027 alles ändert — Haufe Group
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Rechtsstand: Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung.



