Bauantrag vor 1977: Wann der Bedarfsausweis Pflicht ist
Nicht das Baujahr zählt, sondern der Bauantrag vor dem 1. November 1977 — bei unter fünf Wohnungen. Wer nachgerüstet hat, darf wieder frei wählen.

Kurz gesagt
Nicht das Baujahr entscheidet, sondern der Bauantrag: Für Wohngebäude mit weniger als fünf Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde, schreibt § 80 Absatz 3 Satz 2 GModG einen Bedarfsausweis vor. Wer nachweislich auf das Niveau der Wärmeschutzverordnung 1977 nachgerüstet hat, darf wieder frei wählen.
Die Jahreszahl taucht auf, sobald ein Angebot konkret wird: Ein Eigentümer will verkaufen, sucht den schnellen Verbrauchsausweis aus den Heizkostenabrechnungen – und bekommt nach Eingabe der Adresse die Auskunft, für dieses Haus gehe das nicht. Warum, sagt ihm meistens niemand.
Der Grund steht in einem einzigen Satz des Energieausweisrechts, der im Netz fast durchgehend falsch wiedergegeben wird: Er handelt nicht vom Baujahr, sondern vom Bauantrag, er nennt ein taggenaues Datum, und er verlangt zwei weitere Merkmale, die selten mitzitiert werden.
Seit dem 29. Juli 2026 heißt das Stammgesetz Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG); die Paragraphennummern zum Energieausweis und die Regel selbst sind dieselben geblieben.
Wahlfreiheit, Ausnahme, Rückausnahme: was § 80 Absatz 3 anordnet
Die Vorschrift entscheidet über den Ausweistyp, nicht über die Ausweispflicht. Ob überhaupt ein Energieausweis fällig wird, steht einen Satz davor.
§ 80 Absatz 3 Satz 2 GModG
„In den Fällen des Satzes 1 ist für Wohngebäude, die weniger als fünf Wohnungen haben und für die der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt worden ist, ein Energiebedarfsausweis auszustellen.“
Der Grundsatz ist die freie Wahl. Nach § 79 Absatz 1 Satz 2 ist der Energieausweis als Bedarfs- oder als Verbrauchsausweis auszustellen. Wer die Wahl hat, nimmt in aller Regel den Verbrauchsausweis: Er bildet aus vorhandenen Abrechnungen ab, wie geheizt wurde; der Bedarfsausweis rechnet aus, wie das Gebäude gebaut ist.
Die Ausnahme ist Satz 2. Bei kleinen alten Wohngebäuden nimmt das Gesetz diese Wahl weg und verlangt die Rechnung.
Die Rückausnahme ist Satz 3. Erreicht das Gebäude das Wärmeschutzniveau von 1977, ist Satz 2 „nicht anzuwenden“ – die Wahl kommt zurück.
Die Regel ist die freie Wahl. 1977 ist die Ausnahme davon, und die Ausnahme hat selbst wieder eine Ausnahme.
Bauantrag, nicht Baujahr – und der Stichtag ist taggenau
Maßgeblich ist die Antragstellung. Nicht die Genehmigung, nicht der Baubeginn, nicht die Fertigstellung, nicht der Einzug. Und „vor dem 1. November 1977“ heißt: bis einschließlich 31. Oktober 1977.
Richtig ist
Das Gesetz kennt das Merkmal „Baujahr“ an dieser Stelle nicht. Es fragt, wann der Bauantrag gestellt wurde – und beide Daten können Jahre auseinanderliegen.
Der Unterschied kippt Einzelfälle in beide Richtungen:
Erfasst, obwohl jünger
Der Bauantrag ging im Oktober 1977 ein, gebaut wurde erst 1979.
- Bauantrag
- Oktober 1977
- Baufertigstellung, umgangssprachliches Baujahr
- 1979
- § 80 Abs. 3 Satz 2
- greift
- Zulässiger Ausweis
- Bedarfsausweis
Frei, obwohl älter
Der Bauantrag ging im Dezember 1977 ein, bezogen wurde 1978.
- Bauantrag
- Dezember 1977
- Baufertigstellung, umgangssprachliches Baujahr
- 1978
- § 80 Abs. 3 Satz 2
- greift nicht
- Zulässiger Ausweis
- beide
Die Anknüpfung ist systematisch: Welches Bauordnungsrecht ein Vorhaben einhalten muss, richtet sich nach dem Zeitpunkt der Antragstellung.
Wo das Datum steht
Auf dem Bauantrag selbst, in der Baugenehmigung und in der Bauakte. Liegen die Unterlagen nicht mehr vor, führt der Weg zum Bauaktenarchiv der Bauaufsichtsbehörde – meist beim Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Eine Auffangregel, falls sich das Antragsdatum nicht mehr ermitteln lässt, kennt das Gesetz nicht.
Greift die Regel bei Ihrem Haus? Drei Merkmale, alle drei nötig
Wohngebäude, weniger als fünf Wohnungen, Bauantrag vor dem 1. November 1977 – fehlt eines dieser Merkmale, bleibt es bei der Wahlfreiheit.
Steht ein Verkauf, eine Vermietung, eine Verpachtung, ein Leasing oder ein Erbbaurecht an?
JaWeiter zur nächsten Frage.
NeinDann ist überhaupt kein Energieausweis fällig. Satz 2 gilt nur „in den Fällen des Satzes 1“.
Ist es ein Wohngebäude?
JaWeiter zur nächsten Frage.
NeinBei Nichtwohngebäuden gilt Satz 2 nicht. Bei gemischter Nutzung ist zuerst zu klären, ob die Gebäudeteile getrennt zu behandeln sind.
Hat das Gebäude höchstens vier Wohnungen?
JaWeiter zur nächsten Frage.
NeinAb fünf Wohnungen greift die Regel nicht – es bleibt bei der freien Wahl.
Wurde der Bauantrag bis einschließlich 31. Oktober 1977 gestellt?
JaDer Bedarfsausweis ist vorgeschrieben – es sei denn, die Rückausnahme des Satzes 3 greift.
NeinFreie Wahl zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis.
weniger als 5 Wohnungen
Schwelle für den Bedarfsausweis-Zwang bei Bauantrag vor dem 1. November 1977
„Weniger als fünf“ heißt höchstens vier. Bei genau fünf Wohnungen greift die Regel nicht — dann gilt die Wahlfreiheit nach § 79 Abs. 1 Satz 2.
§ 80 Abs. 3 Satz 2 GModG
„Bis zu fünf“ ist etwas anderes als „weniger als fünf“
Der Wortlaut verlangt „weniger als fünf Wohnungen“, also höchstens vier. Ein Fünffamilienhaus fällt nicht unter die Regel, sondern hat die volle Wahlfreiheit.
Vier Konstellationen lassen die Regel leerlaufen:
Hier stellt sich die 1977er-Frage nicht
- Reine Selbstnutzung – ohne Verkauf, Vermietung, Verpachtung, Leasing oder Erbbaurecht entsteht keine Ausstellungspflicht
- Ein gültiger Energieausweis liegt bereits für das Gebäude vor – auch ein laufender Verbrauchsausweis
- Kleines Gebäude: auf ein Gebäude mit nicht mehr als 50 Quadratmetern Nutzfläche ist der Abschnitt nicht anzuwenden
- Baudenkmal: auf ein Baudenkmal ist § 80 Absatz 3 bis 7 nicht anzuwenden
Die letzten beiden Fälle stehen in § 79 Absatz 4. Ein denkmalgeschütztes Haus von 1900 unterliegt dem Zwang aus Satz 2 also nicht.
nicht mehr als 50 m²
Flächenschwelle
§ 79 Abs. 4 Satz 1 i. V. m. § 3 Abs. 1 Nr. 17 GModG
10 Jahre
Gültigkeitsdauer
§ 79 Abs. 3 Satz 1 GModG
Welche Anlässe die Ausstellungspflicht auslösen, zählt § 80 GModG auf; die übrigen Ausnahmen stehen unter wann Sie keinen Energieausweis brauchen.
Warum ausgerechnet der 1. November 1977
An diesem Tag trat die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft – erlassen am 11. August 1977 (BGBl. I S. 1554), nach dem Archiv des Bundesportals „die erste öffentlich-rechtlich Vorschrift für den Wärmeschutz von Gebäuden“, in Geltung bis zum 31. Dezember 1983. Vor ihr gab es bundesrechtlich überhaupt keine Anforderung an den Wärmeschutz von Gebäuden.
Daraus folgt die Logik der Sonderregel: Bei einem Gebäude, das ohne jede Wärmeschutzanforderung errichtet wurde, sagt der gemessene Verbrauch mehr über die Bewohner als über das Haus – ein sparsamer Zweipersonenhaushalt und eine fünfköpfige Familie erzeugen im selben Gebäude völlig verschiedene Kennwerte. Der Gesetzgeber verlangt deshalb die Berechnung statt der Messung.
- 11.08.1977Wärmeschutzverordnung erlassen (BGBl. I S. 1554). Erste bundesrechtliche Anforderung an den Wärmeschutz überhaupt.
- 01.11.1977Inkrafttreten – und damit der Stichtag des heutigen § 80 Absatz 3 Satz 2. Geltung bis 31.12.1983.
- 01.02.2002Die Energieeinsparverordnung löst die Wärmeschutzverordnung ab.
- 01.11.2020Das Gebäudeenergiegesetz tritt an ihre Stelle und übernimmt die 1977er-Regel unverändert.
- 29.07.2026Umbenennung in Gebäudemodernisierungsgesetz. Die Paragraphen zum Energieausweis behalten ihre Nummern.
- 01.01.2027Die Neufassung der Energieausweis-Vorschriften führt die Sonderregel nicht mehr. Nach 49 Jahren endet die Kopplung an den Bauantrag von 1977.
Die Regel hat vier Rechtsgenerationen überstanden – die fünfte nicht mehr.
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Der Ausweg: nachträglich auf das Niveau von 1977
Satz 3 nimmt das Gebäude wieder aus der Regel heraus, wenn es das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung 1977 erreicht. Entscheidend ist das Wort „mindestens“: Verlangt wird das Niveau von 1977, nicht der heutige Standard.
§ 80 Absatz 3 Satz 3 GModG
„Satz 2 ist nicht anzuwenden, wenn das Wohngebäude 1. schon bei der Baufertigstellung das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung vom 11. August 1977 (BGBl. I S. 1554) erfüllt hat oder 2. durch spätere Änderungen mindestens auf das in Nummer 1 bezeichnete Anforderungsniveau gebracht worden ist.“
Nummer 1 trifft Häuser, die kurz vor dem Stichtag beantragt, aber schon nach dem neuen Standard gebaut wurden. Nummer 2 ist der praktisch häufige Fall: Fassaden-, Dach- oder Kellerdeckendämmung, Fenstertausch. Nach heutigen Maßstäben ist die Hürde niedrig – sie liegt fast fünf Jahrzehnte zurück. Nur beruft man sich darauf nicht durch Behauptung.
Richtig ist
Die Rückausnahme setzt voraus, dass das Niveau belegbar erreicht ist. Beurteilen muss das die ausstellungsberechtigte Person, nicht der Eigentümer – und keine Behörde bestätigt es vorab.
Es gibt kein Feststellungsverfahren und keinen Bescheid. § 102 Absatz 2 nimmt die Vorschriften von Teil 5 vom Befreiungsverfahren aus: Der behördliche Weg, den das Gesetz an anderer Stelle kennt, ist für den Energieausweis-Teil ausdrücklich gesperrt.
Entschieden wird nach § 83: Der Aussteller prüft die Daten, die der Eigentümer bereitstellt, sorgfältig und darf sie bei Zweifeln nicht verwenden; der Eigentümer hat dafür zu sorgen, dass sie richtig sind. Die Beweislast liegt damit beim Eigentümer. Wer nichts vorlegt, bekommt den Bedarfsausweis – und der ist nie falsch, während ein zu Unrecht ausgestellter Verbrauchsausweis es sehr wohl sein kann. Wer ausstellen darf, steht im Beitrag wer einen Energieausweis ausstellen darf.
Für die Beurteilung selbst erlaubt Satz 4 das vereinfachte Verfahren nach § 38 Absatz 4 GModG (bis 28.07.2026: § 50 Absatz 4 GEG): vereinfachtes Aufmaß und „gesicherte Erfahrungswerte für Bauteile und Anlagenkomponenten vergleichbarer Altersklassen“. Maßgeblich ist dafür Kapitel 7 der Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand vom 8. Oktober 2020, BAnz AT 04.12.2020 B1.
Was der Aussteller für die Rückausnahme braucht
Die Liste ist aus § 83 abgeleitet: Eine verbindliche Unterlagenliste kennt das Energieausweisrecht nicht.
Nicht geklärt
Maßgeblich ist die Prüfung nach Kapitel 7 der Bekanntmachung vom 8. Oktober 2020 – nicht eine U-Wert-Tabelle aus dem Netz. Die dort kursierenden Grenzwerte widersprechen sich, teils innerhalb einer Seite. Wer wissen will, ob sein Haus das Niveau von 1977 erreicht, legt seine Nachweise der ausstellungsberechtigten Person vor und lässt sie rechnen.
Ob eine Sanierung einen ganz neuen Ausweis nötig macht, regelt § 80 Absatz 2 und nicht Absatz 3 – nachzulesen im Beitrag zum neuen Ausweis nach einer Sanierung.
Was passiert, wenn der falsche Ausweistyp ausgestellt wird
Die Sanktion hängt nicht an Absatz 3, sondern daran, ob überhaupt ein wirksamer Ausweis vorgelegt und übergeben wird: § 108 Absatz 1 nimmt bei § 80 auf Absatz 1 und Absatz 4 Bezug, ein Verweis auf Absatz 3 steht dort nicht.
bis zu 10.000 €
Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen die Ausweispflichten
Ein Höchstrahmen, kein Regelbetrag — was tatsächlich verhängt wird, hängt vom Einzelfall ab.
§ 108 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 GModG
Praktisch bleibt die Kette trotzdem geschlossen. Ein Verbrauchsausweis für ein Gebäude, für das Satz 2 den Bedarfsausweis verlangt, ist kein Dokument, mit dem sich die Vorlage- und Übergabepflicht des § 80 Absatz 4 erfüllen lässt. Und wer als Eigentümer unrichtige Angaben bereitstellt, steht dafür nach § 83 Absatz 3 ein. Welche Verstöße das Gesetz sanktioniert, steht im Beitrag was Verstöße gegen die Ausweispflicht kosten.
Kein Handlungsbedarf
Wer selbst im eigenen Haus wohnt und weder verkaufen noch vermieten will, muss nichts veranlassen. Die 1977er-Regel gilt nur „in den Fällen des Satzes 1“ – ohne einen dieser Anlässe entsteht keine Pflicht und damit kein Bußgeldrisiko.
Was zum 1. Januar 2027 gilt
Die Sonderregel läuft aus. Zum 1. Januar 2027 werden die Vorschriften zum Energieausweis neu gefasst, und die Kopplung an den Bauantrag von 1977 steht in der neuen Fassung nicht mehr. Der Verbrauchsausweis wird damit für alle Wohngebäude wählbar – auch für den unsanierten Altbau mit drei Wohnungen und Bauantrag von 1975.
Der Wegfall gilt ab 2027, nicht heute
Bis zum 31. Dezember 2026 steht Satz 2 unverändert im Gesetz. Wer jetzt verkauft oder neu vermietet und die drei Merkmale erfüllt, braucht den Bedarfsausweis. Ein Verbrauchsausweis, der heute für ein solches Gebäude ausgestellt wird, wird nicht dadurch richtig, dass die Regel im Januar entfällt.
| Frage | Heute | Ab 01.01.2027 |
|---|---|---|
| Zwang zum Bedarfsausweis bei Bauantrag vor dem 01.11.1977 | Ja | Entfällt |
| Nachweis des Wärmeschutzniveaus von 1977 nötig | Für die Rückausnahme | Nicht mehr |
| Verbrauchsausweis für kleine Altbauten möglich | Nur nach Nachrüstung | Ja, bei vorhandenen Daten |
| Geltung bereits ausgestellter Ausweise | Zehn Jahre | Zehn Jahre |
Die zehn Jahre in der letzten Zeile sind keine Übergangsregel für 2027, sondern die normale Gültigkeitsdauer aus § 79 Absatz 3 Satz 1. Eine Übergangsvorschrift für den Jahreswechsel 2026/2027 gibt es nicht.
Der Wegfall nützt aber nur, wer Verbrauchsdaten hat. Was das Gesetz auf der einen Seite lockert, verschärft es auf der anderen: Die Datenbasis des Verbrauchsausweises sinkt zwar von 36 auf 24 Monate, doch an ihre Erfassung werden höhere Anforderungen gestellt.
24 Monate
Datenbasis ab 2027
§ 82 Abs. 1 Satz 2 GModG (Regierungsentwurf BT-Drs. 21/6278, Ausschussbericht BT-Drs. 21/7009)
Ein laufender Ausweis bleibt laufend
Wer heute einen gültigen Verbrauchsausweis hat, muss ihn nicht gegen einen Bedarfsausweis tauschen – auch dann nicht, wenn die 1977er-Merkmale auf sein Haus zutreffen. Die Ausstellungspflicht greift nach § 80 Absatz 3 Satz 1 nur, „wenn nicht bereits ein gültiger Energieausweis für das Gebäude vorliegt“. Wann ein Ausweis erneuert werden muss, steht im Beitrag Energieausweis erneuern.
Nicht geklärt
Wie die Verbrauchsdaten ab 2027 im Einzelnen zu erfassen sind, steht noch nicht abschließend fest: Die Angaben reichen von jährlichen Werten über zwei Jahre bis zu monatlich erfassten Werten über 24 Monate. Auch die Witterungsbereinigung ist offen – die geltende Bekanntmachung vom 29. März 2021 ist auf mindestens 36 Monate zugeschnitten. Wer für 2027 mit dem Verbrauchsausweis plant, sammelt die Abrechnungen deshalb besser feiner als nötig.
Häufige Fragen zum Stichtag 1977
Ab welchem Baujahr ist der Bedarfsausweis Pflicht?
Das Baujahr ist nicht das Kriterium. Zwingend ist der Bedarfsausweis bei Wohngebäuden mit weniger als fünf Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde – und auch dann nur, wenn das Gebäude das Niveau der Wärmeschutzverordnung 1977 nicht erreicht.
Ich habe gedämmt – darf ich jetzt einen Verbrauchsausweis nehmen?
Möglicherweise. Die Pflicht entfällt, wenn das Gebäude durch spätere Änderungen mindestens auf das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung 1977 gebracht wurde. Beurteilt wird das nach Kapitel 7 der Bekanntmachung vom 8. Oktober 2020.
Wer bestätigt mir, dass mein Haus das Niveau von 1977 erreicht?
Keine Behörde. Ein Feststellungsverfahren gibt es nicht, § 102 Absatz 2 schließt Befreiungen für den Energieausweis-Teil aus. Die Beurteilung trifft die ausstellungsberechtigte Person; der Eigentümer hat für die Richtigkeit seiner Angaben zu sorgen.
Was ist, wenn ich den Bauantrag nicht mehr finde?
Weder das Gesetz noch die Bekanntmachung regeln das – es gibt keine Auffangregel und keine Beweislastumkehr. Übliche Anlaufstelle ist das Bauaktenarchiv der Bauaufsichtsbehörde. Im Zweifel ist der Bedarfsausweis die sichere Variante.
Fällt die 1977er-Regel zum 1. Januar 2027 weg?
Ja. Die Neufassung der Energieausweis-Vorschriften zum 1. Januar 2027 enthält die Kopplung an den Bauantrag von 1977 nicht mehr; der Verbrauchsausweis wird für alle Wohngebäude wählbar. Bis dahin gilt die Regel unverändert – für einen Verkauf im Jahr 2026 brauchen Sie weiterhin den Bedarfsausweis.
Quellen (18)
- BT-Drs. 21/6278 — Regierungsentwurf Gebäudemodernisierungsgesetz mit Begründung (Artikel 2) — Deutscher Bundestag
- § 80 GModG — Ausstellung, Vorlage, Übergabe und Aushang des Energieausweises — gesetze.legal
- § 79 GModG — Grundsätze des Energieausweises, satzweise — lxgesetze.de
- § 80 GModG — Ausstellung und Verwendung von Energieausweisen — lxgesetze.de
- FAQ Energieausweise des GEG-/GModG-Infoportals (FAQ 18: Wahlfreiheit zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis) — Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / gmodg.bund.de (Bundesportal)
- § 79 GModG — kleines Gebäude und Baudenkmal — gesetze.legal
- GEG-/GModG-Infoportal, Archiv: Wärmeschutzverordnung 1977 — Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / gmodg.bund.de (Bundesportal)
- GEG-/GModG-Infoportal, Archiv: Übersicht der Wärmeschutzverordnungen — Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / gmodg.bund.de (Bundesportal)
- Deutsche Wohngebäudetypologie (TABULA/EPISCOPE), 2. erweiterte Auflage 2015, Datenstand 2011 — Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt
- § 102 GModG — Befreiungen — gesetze.legal
- § 83 GModG — Ermittlung und Bereitstellung von Daten — lxgesetze.de
- § 38 GModG — Berechnung und vereinfachte Datenerhebung im Bestand — gesetze.legal
- Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand vom 8. Oktober 2020 (BAnz AT 04.12.2020 B1) — Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat / Bundesanzeiger
- § 84 GModG — Empfehlungen für die Verbesserung der Energieeffizienz, Datenaufnahme — gesetze.legal
- § 108 GModG — Bußgeldvorschriften, Verweisungsziele in Absatz 1 — gesetze.legal
- BT-Drs. 21/7009 vom 08.07.2026 — Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses — Deutscher Bundestag
- energyausweis.de, „Verbrauchsausweis: Neue Wahlfreiheit für alle Wohngebäude“ — Gegendarstellung zum behaupteten Wegfall — energyausweis.de (Fachportal)
- GModG-Infoportal: konsolidierte Fassung des Gebäudemodernisierungsgesetzes — Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / gmodg.bund.de (Bundesportal)
Energieausweis ab 69,90 € online erstellen
Bedarfs- und Verbrauchsausweis online erstellen — der Link öffnet sich in einem neuen Tab.
Rechtsstand: Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung.



